Orgelporträt

Die Collon-Orgel der Kirche St. Michael ist in vielerlei Hinsicht eine sehr eigene und spezielle Persönlichkeit. Vieles ist hier anders als beim üblichen Aufbau einer „normalen“ Orgel, denn nicht nur klanglich, sondern auch konstruktiv folgt sie konsequent dem barocken Orgeltypus. Bei der Verteilung der Manuale ist das Hauptwerk wie meist üblich, nicht unten, sondern auf dem zweiten Manual. (Gelegenliche Verwechslungen beim Wahl der Manuale sollen dadurch besonders bei noch nicht ganz ausgeschlafenen Organisten in der Frühmesse durchaus vorgekommen sein).

Die schlichten eisernen Registerzüge sind nur mit dem Registernamen bezeichnet, die Angabe der Fußtonhöhe, also der Oktavlage der Register, fehlt und so muss man sich vorher mit dem Instrument ausgiebig kundig gemacht haben, um klangliche „Fehlgriffe“ zu vermeiden. Andererseits weiß der Verfasser um die Möglichkeit, bei Fehlern beim Orgelspielen immer eine gute Ausrede parat zu haben: „Das war nicht ich, das war die Orgel!“ Jedenfalls ist die Orgel in St. Michael aufgrund ihres ganz eigenen Charakters in Oberhausen ein einzigartiges Instrument, an dem man, wenn man sich auf es einlässt, unglaublich viel Freude und Erfüllung findet.

Christian Gerharz (Koordinierender Kirchenmusiker der Pfarrei St. Marien)

Eine schlichte Form des Gehäuses zeichnet den Anblick der Collon-Orgel aus. Klar geliedert erkennt man die beiden Manuale im „Prospekt“ (der Ansicht) der Orgel: Hinter den unteren vier Feldern stehen die Pfeifen des Hauptwerkes, in dem Bereich mittig darüber befindet sich das Pfeifenwerk des Oberwerkes. Die Pedalpfeifen stehen in einem eigenen Gehäuse hinter den Manualpfeifen. Wie schon erwähnt, ist die Anlage komplett mechanisch, d.h. die Orgel besitzt keinerlei Elektronik als Spielhilfe, und auch die Elektrik beschränkt sich lediglich auf Strom für Motor und Licht im Gehäuse. Klanglich ist die Orgel eindeutig dem deutschen und französischem barocken Typus zuzuordnen.

Eine Besonderheit ist die reiche Besetzung im Bereich der Terzregister:

Auf Hauptwerk und Oberwerk befindet sich jeweils ein Terzregister, dazu noch ein Cornett im Hauptwerk. Die Zungenstimmen sind, wie im französischen Orgelbau, kräftig und knackig intoniert. Jeweils eine Mixtur auf allen drei Werken verleihen dem Plenum die wunderbare Helligkeit und Festlichkeit. Die Manualkoppel ist als „Schiebekoppel“ gebaut, d. h. das untere Maual lässt sich zum Koppeln wie eine Schublade einige Zentimeter herausziehen, was im Inneren einen Mechanismus bewirkt, der die Register der ersten Manuals auch auf dem Hauptwerk spielen lässt. Die einzige Pedalkoppel HW/ Pedal koppelt dabei durch. Ein starker Tremulant wirkt auf das gesamte Werk und bringt den Klang der Pfeifen bei Bedarf in ordentliches „Zittern“.

Technische Daten

  • Erbauer:  Patrick Collon – „Manufacture d’orgues de Bruxelles“
  • Baujahr: 1993
  • Traktur: Mechanische Register- und Tontraktur
  • Manuale/Pedal: 2 Manuale und Pedal
  • Anzahl der Pfeifen: ca. 2450 Pfeifen mit 28 Registern
  • Stufen bis zur Orgelempore: Die Anzahl der Stufen errechnet sich aus der ungefähren Anzahl der Pfeifen geteilt durch die dritte Wurzel aus der Anzahl der Register – oder so ähnlich

Leider wird die im expressionistischen Stil erbaute Kirche St. Michael zur Zeit nicht mehr für Gottesdienste genutzt und wird in den nächsten Jahren umgewidmet. Hoffen wir, dass die kostbare Orgel einen adäquaten neuen Standort erhalten wird!

Mehr sehen und auch hören können Sie in den folgenden Videos von Christian Gerharz (Kirchenmusiker):