Nachdem die Vorgängerorgel aus den 50ger Jahren im Laufe der Zeit immer größere klangliche und technische Mängel aufwies, entschloss sich die Gemeinde (damals noch Pfarrei) St. Johannes Evangelist beim Antritt meiner Stelle dort als Kirchenmusiker 1995 nach vielen ausgiebigen Diskussionen, auf einen Orgelneubau zuzugehen. Für mich als (hauptamtlicher) Berufsanfänger war das damals eine spannende Zeit, konnte ich doch selbst an der Entstehung dieses Instrumentes mitplanen und -arbeiten.

Natürlich war der Kostenrahmen nicht unbegrenzt, und so wurde die neue Orgel mit 24 klingenden Registern um einiges kleiner als ihre Vorgängerin. Aber dafür legten wir besonderen Wert auf die hohe klangliche und handwerkliche Ausführung. Mit der Firma Hey, die gleichzeitig auch die Orgel in der ev. Christuskirche erbaute, hatten wir, in Zusammenarbeit mit dem bischöfl. Orgelsachverständigen Herrn Werner Schepp, den für uns optimalen Orgelbauer gefunden.

Während der vielen Jahre der Vorbereitung entwickelten sich in der Gemeinde St. Johannes viele kreative Ideen zur Spendensammlung, getragen von großem Engagement des Kirchenchores und zahlreicher weiterer Gemeindemitglieder, die sich für „ihre“ neue Orgel einsetzten.

Christian Gerharz (Kirchenmusiker)

Orgelporträt

Das Orgelwerk in der Kirche St. Johannes Evangelist wurde erbaut von der Firma Hey aus Ostheim-Urspringen in der Rhön. Die Orgel besitzt 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Sie ist vollmechanisch, d. h. sowohl die Register (Klangfarben der Orgel) werden durch ein System von Holzgestängen über Registerzüge mechanisch eingeschaltet, wie auch die Verbindung von jeder Taste zu den Pfeifen verläuft auf mechanischem Wege. Dieses System ist seit Jahrhunderten im Orgelbau bewährt.

Bei der Intonation (klangliche Anpassung der Register an den Kirchenraum) wurde besonderen Wert auf einen grundtönigen, sanglichen runden Klang gelegt. So sind besonders die Register im 8′-Bereich weich, rund und tragfähig. Im Prospekt (Ansicht) der Orgel stehen die Pfeifen des Registers Principal 8′ des Hauptwerkes sowie an den Seiten des Principalbasses 8′ aus dem Pedal. Das Gehäuse des 2. Manuals befindet sich hinter dem Hauptgehäuse und ist vom Kirchenraum aus nicht sichtbar. Es wurde mit einem Schweller (Jalousietüren, die sich mittels eines Fußtrittes öffnen und schließen lassen) versehen, um eine weitere klangliche Schattierungsmöglichkeit zu haben.

Insgesamt verpflichtet sich die Orgel in St. Johannes eher dem barocken Klangbild (daher auch eine historische Stimmung), aber auch viele Werke der Klassik und frühen Romantik lassen sich überzeugend auf ihr darstellen. Und hier noch einige interessante technische Details: – 1356 Pfeifen (Höhe Längste Pfeife 3.85 m/ kürzeste Pfeife 11 mm) – Hauptgehäuse aus geölter Eiche, Gehäuse 2. Manual aus Kiefer – Gewicht ca. 3000 kg – Anzahl der Bälge: 5 – Anzahl der Windladen: 4 – Gesamtlänge der mechanischen Verbindungen (Register- und Tontaktur): ca 650 m

Technische Daten und Besonderheiten

  • Erbauer: Orgelbau Hey, Ostheim-Urspringen
  • Baujahr: 2003
  • Traktur: Mechanische Ton- und Registertraktur
  • Manuale/Pedal: 2 Manuale und Pedal
  • Pfeifenanzahl: 1356 Pfeifen
  • Anzahl der Stufen zur Ogelempore: Muss noch durch umfangreiche empirische Forschungen untersucht werden.
  • Besonderheiten: Die Orgel besitzt eine historische Stimmung (Kirnberger III).

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